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| Tag 2... - oder: Im Land der Fahrräder |
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Shanghai ist
anders! ► Tag 0 - Auf geht's mit Geschrei ► Tag 1 - Shanghai lacht ► Tag 2 - Im Land der Fahrräder ► Tag 3 - Bootsfahrt ► Tag 4 - Shoppingwahn ► Tag 5 - Das Gehupe nervt ► Tag 6 - Nr. 5 ist groß genug ► Tag 7 - Der Preis ist heiß ► Tag 8 - Fehlende 2 Meter ► Tag 9 - Zünftige Bierstube ► Tag 10 - Über den Wolken ► Tag 11 - Fragen & Antworten ► Tag 12 - Letzte Runde ► Tag 13 - Der Abschied
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Nachdem ich voller Bewunderung etliche Hochhäuser fotografiert habe, jetzt weiß ich im übrigen ganz genau, wie sich japanische Touristen in Deutschland fühlen, nehme ich die Seitenstrassen, um diese riesige Stadt kennen zulernen. So viele Fahrräder und Motorroller habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Im Übrigen sollten mich auch die nächsten Tage lehren, dass es kaum bis gar keine neuen Fahrräder in der Stadt gibt. Die meisten haben Museumscharakter, verrichten aber brav ihren Dienst. Keine Ahnung, ob ich gestern taub war, aber soooo laut kam mir der Verkehr gar nicht vor. Heute kommt mir der ganze Lärmpegel geballt zu Ohren. Hupen wo man hinhört. Warum Shanghaier Auto- speziell Taxifahrer hupen, hat sich mir auch bis zum Ende unserer Reise nicht erschlossen. An vielen Kreuzungen verdienen Männer mit einer Art mobilen Fahrradwerkstatt ihr Geld. Alle paar Meter, na eigentlich wie an einer Perlenkette aufgereiht gibt es Essbuden, Garküchen und lauter solcher Garagen, die sich mein Magen besser nicht genauer anschaut. Dabei reichen mir verwöhntem Europäer schon die seltsamen Gerüche, um ein sehr flaues Gefühl in der Magengegend zu bekommen. An fast allen Fußgängerampeln stehen eine Art Schülerlotsen. Was die mit ihrer Trillerpfeife genau regeln? Keine Ahnung, sie sind sich wichtig, das zählt. Die Ampeln hängen auf der anderen Seite der Kreuzung und die Polizisten, die wagemutig auf den größeren Abzweigungen stehen, sehen mit ihren weißen Eierschalen-Helmen ein ganz klitzeklein wenig aus wie Calimero. Die Art der Verkehrsregelung bleibt Europäern ein Rätsel. Rot ist nicht gleich rot. Pfeifen bedeutet nicht immer Stop, aber auch nicht immer Weiter. Abbiegen kann man eigentlich immer, oder doch nicht? Naja, auf jeden Fall hätte ich in dieser Stadt meinen Führerschein nie und nimmer bekommen. Sich mit dem Wirrwarr auf Shanghai´s Strassen genauer zu befassen, würde den Rahmen sprengen, wird aber versucht im speziellen „China-Fragen, Chinesin antwortet“ Part ein wenig zu erklären. Bei all der ganzen Hektik und Nervosität des Neuen keimt bei mir die Frage auf: Wo ist das China, das ich aus den Büchern, dem Internet oder der Schule kenne? Wo sind die geschwungenen Dächer, die Teehäuser? Bisher könnte ich in jeder sehr ambitionierten „Wir werden die Besten, Modernsten und Grössten“ Stadt gelandet sein. Deshalb ab zum Taxi. Also nur an den Straßenrand stellen, Arm hoch und warten. Winkende Chinesen werden anscheinend bevorzugt. Aber ich habe ja Zeit. Die Visitenkarte vom Hotel erklärt dem Fahrer sein Ziel: YuYuan. Ohne diese Karte wäre an eine zielorientierte Fahrt gar nicht zu denken.
Aber genau die hat mir bei den zahlreichen Taxifahrten gefehlt. Shanghai beherbergt bald die Weltausstellung und erst jetzt beginnen die „Einheimischen“, die mit den Gästen in der Stadt zu tun haben, etwas Englisch zu lernen. So wurde es uns jedenfalls erzählt, gemerkt haben wir davon rein gar nichts, denn nicht einmal ein „Hello“ kam über die grinsenden Lippen. Dabei könnten sich gerade die Taxifahrer als eine Art Stadtrundfahrer, die Preise fürs Taxen fahren sind fast geschenkt, eine Buddha-goldene Nase verdienen. Nun gut, es blieb die gesamten Tage über beim visuellen Genuss der Sehenswürdigkeiten während der Fahrten und Wanderungen.
Da ich sozusagen ja nur die Vorhut war, und tagsüber erforschte, was ich Yvonne in ihrer, leider sehr spärlichen Freizeit, zeigen konnte, sparte ich mir den Besuch des eigentlichen Parks und verlegte diesen Besuch auf die gemeinsame Zeit mit meiner Frau. Mir knurrte mächtig der Magen, der Anblick und der Geruch der dargebotenen Speisen ließen selbigen jedoch klein werden wie eine Erbse. Ich belies es bei Kitkat. Nein, so weit, Katzenfutter aus der Dose zu essen, brachte mich selbst das Shanghai-Essen nicht. Die beliebten Schokoriegel waren so mit das einzige, was halbwegs „normal“ europäisch schmeckte. So wurden diese Kalorienbomben mein ständiger Wegbegleiter. Raus aus dem Basar, rein in die kleinen Gassen der Altstadt. Die Politesse machte sich unbeliebt, schrieb Knöllchen, wenigstens etwas wie bei uns, dachte ich mir. Derweil versuchte ein anderer Fahrer einzuparken, stupste die Politesse dabei sanft an und setzte den Versuch fort. Die junge Dame fing nicht mal im Traum an zu fluchen. Chinesische Gelassenheit, oder sollte ich besser sagen, chinesische Gleichgültigkeit?
Ich weiß nicht woran es lag, aber auch die
Gewissheit, dass
Nach einem gepflegten Kaffee und einem Stückchen Kuchen in einem japanischen Lokal mache ich mich so langsam auf den Weg ins Hotel. Auch Yvonnes Arbeitstag ist gleich mal vorbei und ich mach nur noch kurz einen Abstecher in ein überdimensionales Elektronik-Kaufhaus. Mediamarkt, Saturn und Promarkt zusammen mal drei. Fündig werde ich leider nicht. Die Marken kenne ich nicht, die Preise lassen mich ziemlich kalt und den „Originalen“ traue ich irgendwie nicht über den Weg. Der deutsche Food and Beverage Manager unseres Hotels, ihm sind wir für einige Tipps, zahlreiche Gespräche und informativem Erfahrungsaustausch sehr dankbar, bekam schon nach kurzer Zeit mein Malheur mit dem Essen mit. Voller Verständnis empfahl er uns ein skandinavisches Restaurant, was zudem in einigen Minuten zu Fuß zu erreichen war. Das „Taste of Scandinavia“ ließ mich voller Vorfreude und unmäßigem Hunger schon von Hackbällchen à la Ikea träumen. Übrigens hat der schwedische Möbelgigant auch seine Regale und Betten in Shanghai zum Verkauf. Große Plakate an den Bushaltestellen werben für Ikea, und obwohl die Schriftzeichen für uns nicht zu deuten sind, konnten wir sehr gut erahnen, dass es sich auch in China um Regale der Marke „Peter“ und so weiter dreht. Zurück zum Essen. Das Restaurant war eine etwas gehobenere Kategorie, die Portionen leider ebenso knapp bemessen. Aber es war sehr lecker, und ich bin trotz der großen Teller mit dem Wenigen darauf satt geworden. Das war wichtig. Das dieser Laden angesagt und hipp ist, wurde dann im hinteren Barbereich deutlich. Die so genannte Eisbar machte ihrem Namen alle Ehre. Zu betreten nur in Winterkleidung, Eis wo man hinsah, wo man sich hinsetzte. Einfach cool. Yvonne und ich sind danach beide total erschöpft in die Federn gefallen. Arbeiten und Sightseeing ließen uns tief und fest träumen
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